Ich hoffe der Titel verwirrt nicht zu sehr... Es soll in diesem Post um meine 'Vorgeschichte' gehen. Einfach um für mich persönlich noch mal einen Abschluss zu machen.
Vorsicht: könnte triggern! Bitte nur lesen, wenn du psychisch stabil bist!
2012: Ich schätze, dass es in diesem Jahr mit den depressiven Verstimmungen angefangen hat. Damals war ich 15/ 16 und stellte mich selbst pausenlos in Frage. Fand meinen Körper zu fett, fühlte mich alleine und die Schule war für mich der reinste Druck. Am liebsten hätte ich den gesamten Tag im Bett verbracht und geweint. Hauptsache meine Ruhe haben.
Damals sprach mich eine Mitschülerin auf eine Freundin an, ob meine Freundin sich geritzt hätte. (Mit 'so etwas' hatte ich bis dato nie zu tun und als ich meine Freundin eine Woche vorher gefragt hatte, leugnete sie es und ich gab mich damit zu Frieden.) Da diese Mitschülerin so besorgt wirkte, fragte ich meine Freundin mehrmals nach ihren kleinen Wunden. Erst nach mehreren Tagen gab sie es zu sich geritzt zu haben und es nie wieder machen zu wollen.
Leider hatte ich in den Wintermonaten unfassbaren Liebeskummer, der sich bereits durch das gesamte Jahr gezogen hatte und so nahm ich eines Tages die Haarschere aus dem Bad und verletzte mir oberflächlich die Haut.
Ich weiß nicht mehr, wie es genau weiter ging, aber mit der Zeit schnitt ich fester und es fing an zu bluten.
2013: Es wurde zur Regelmäßigkeit, dass ich mich ins Bad einschloss und mich selbst verletzte. Es tat damals einfach gut und für mich schien es ein Ausweg zu sein aus dem Gedankenchaos in meinem Kopf.
So ging es immer weiter, wobei ich irgendwann auf ein Skalpell umgestiegen bin. Zum Leidwesen meiner Haut. Zusätzlich bekam ich eine Essstörung und fing an mich mit Ana-Blogs zu befassen. Meinen ersten Blog startete ich zum Abnehmen. Doch nachdem ich mehrere Wochen gar nichts mehr gegessen habe und mich über 400kcal am Tag aufgeregt habe, wechselte die Essstörung und plötzlich aß ich nur noch. Konnte nicht mehr aufhören.
Im späten Frühling wurde es jedoch immer wärmer und die Zeit der T-Shirts war gekommen. Ich nahm mir fest vor damit aufzuhören! An einem Wochenende war ich jedoch mit meinem Vater und meinem Bruder unterwegs und alles ging schief für mich. Ende der Geschichte: 3 fette Striche gemacht.
Aber ich hatte mir vorgekommen aufzuhören: also Jacke in der letzten Unterrichtsstunde ausgezogen -> ertappt von einer Klassenkameradin
Diese sprach mich zaghaft darauf an, erklärte, dass sie das früher auch getan habe und mir helfen wolle. Problem: der 'Liebeskummer-Typ' (Sven) hat es auch mitbekommen.
Von da an hatte ich vermehrt Kontakt mit ihm. Er schleifte mich zum Schulsozialarbeiter, begleitete mich aus den Unterrichtsstunden, wenn es mir schlecht ging und hörte mir zu.
So schön sich das anhört, aber ich war gefangen. Ich lechzte nach seiner Aufmerksamkeit, die ich nur bekam, wenn es mir schlecht ging. Dabei wollte ich wirklich aufhören und tat es dann doch nicht und ich fühlte mich noch schlechter und er war da und...
Das bereue ich so, so sehr!
Irgendwann ließ er mich fallen, hörte auf an mich zu glauben und war nur noch genervt.
Ich vertraute mich meiner Mutter an, doch die war überfordert und sagte bloß "dann hör doch auf". Ganz schlecht! Fetter Rückschlag, Schnitt um Schnitt an diesem Abend.
Nach den Sommerferien (ich hatte mir mittlerweile Rasierklingen besorgt) mit der Stufe auf Stufenfahrt. Irgendwie hatte ich es geschafft mit einem aus der Stufe zusammen zu kommen, weil ich in den Ferien so oft bei ihm war. Er machte mich irgendwie glücklich und ich vergaß Sven. Beide mit auf Stufenfahrt. Ich ständig zwischen den Seilen am Hängen, weil mein Freund unsere Beziehung nicht öffentlich machen wollte. Also viel mit Sven gemacht, er hat irgendwie auf mich aufgepasst und auf der Rückfahrt saß ich dann nur bei ihm im Bus (mein Freund wollte nicht, dass wir uns aneinander kuscheln). Aneinandergelehnt. Gemeinsam Musik gehört (was Kitschiges von Bruno Mars) und er zeigte mit ein Bild von einem küssenden Pärchen. Er wollte mich küssen!
Aber mein Freund. Das wäre Betrug. Das wollte ich nicht. Also auf Abstand.
Am Tag nach der Rückkehr Schlussgemacht. Aber statt mit Sven zusammen sein zu können: Ignoranz.
Ich war verzweifelt. Heulte tagelang und gab mir für alles die Schuld.
Im Herbst meiner Deutsch-LK Lehrerin alles im Verzweiflung erzählt und sie sagte zu mir: "Wenn du meine Tochter wärst, dann hätte ich dich schon längst in eine Klinik einweisen lassen."
Bis heute liebe ich sie dafür, denn sie hat mir die Augen geöffnet. Ich zweifelte an meinem festen Wunsch auf jeden Fall noch in diesem Schuljahr mein Abi machen zu wollen.
Also im Winter mit meiner Mutter gesprochen und beschlossen nach den Weihnachtsferien nach einer Klinik Ausschau zu halten.
2014: Gemeinsam mit meinen Eltern fuhren wir am Wochenende 3 Kliniken an. Überall fühlte ich mich unwohl und hatte Angst. Legte also alles in die Hände meiner Eltern. Zunächst ein erstes Gespräch. Dann mit meinem Hausarzt gesprochen und mich für 3 Monate krankschreiben lassen. Daraufhin mit meinem Stufenleiter gesprochen und alles in die Wege geleitet, um die 12 zu wiederholen. Diese Zeit war das Beste, weil ich mich auf mich konzentrieren konnte. Keinen Druck mehr verspürt habe.
Ende April die Einweisung. 3 Monate war ich insgesamt in der Klinik für Kinder und Jugendliche. Habe dort viel gelernt und die beste Therapeutin der Welt kennen gelernt. Zwar gab es auch viel Zoff untereinander und auch dort litt ich vermehrt an Liebeskummer (2 Mal unglücklich verknallt). Nach der Klinik ritzte ich mich noch ein paar Mal, aber danach war Schluss. Einfach so.
2015: Habe mein Abi gemacht und angefangen ein FSJ zu machen. Habe jedoch festgestellt, dass das einfach nichts für mich ist mich um andere Menschen zu kümmern. Dafür bin ich doch selbst zu vorbelastet und konfus. 😂
Habe aber auch mit psychisch erkrankten Menschen gearbeitet. Als ich die Stelle annahm, dachte ich, dass das kein Problem wird.
2016: Mein FSJ habe ich frühzeitig beendet und nun habe ich noch mehr als einen Monat Zeit bis meine Ausbildung oder das Studium beginnt. Auch habe ich festgestellt, dass ich doch eine psychologische Therapie brauche und wenn sie mir begleitend ist, weil ich mich wieder vermehrt depressiv fühle. Deswegen bin ich gerade auf der Suche nach einer netten Therapeut-in. 😊
Oh man. So ein langer Text und dabei habe ich den bereits gekürzt. Aber 4 Jahre sind einfach lang. In der Zeit wurde ich von einem Mädchen zu einer 'Fast-Frau'. Und ab nun geht es hoffentlich nur noch bergauf.