Du kannst Dir wahrscheinlich nicht mal im Ansatz vorstellen, wie es mir gestern ergangen ist.
Deine morgendliche Nachricht blieb einfach aus und online warst Du bereits seit dem Abend davor nicht mehr. Mein Stolz verbot es mir jedoch Dir zu schreiben, weil ich im Moment so wenig das Gefühl habe, dass du mich noch liebst, dass ich nach jedem Bisschen Aufmerksamkeit lechze.
Den gesamten Tag schaute ich ständig aufs Handy und wunderte mich zunächst, dass Du selbst am Mittag nicht geschrieben hast und spätestens am Abend machte ich mir richtig Sorgen. Stellte mir vor, dass du Zuhause umgekippt bist oder Dich ausgeschlossen hattest. Die abscheulichsten Dinge schossen mir in den Kopf und dennoch war ich mir irgendwie sicher: "Die letzten Male, in denen ich mich genauso sorgte, war nie etwas passiert. Du hast einfach zu lange gezockt und das Handy vergessen." Mich vergessen...
Nun gut, also lenkte ich mich ab. Wechselte alle 30 Minuten zwischen Zeitschrift, Buch und Manga; schaute Shopping Queen und knüpfte wie eine Besessene ein Armband für meine Mutter. Hauptsache Ablenkung, Hauptsache die Stimmen stoppen.
Als du dich dann um 20 Uhr endlich meldest schreibst du bloß:
"Hey Schatz, war den ganzen Tag ohne Handy beim Fußball und hab es bei XYZ gelassen. Wie war dein Tag so? ♥"
Danke, dass ich mir wie vermutet umsonst Sorgen gemacht habe.
Danke, dass du es nicht für nötig gehalten hast mir Bescheid zu sagen.
Danke, dass du einen tollen Tag hattest - ohne mich - und ich Zuhause rumgetigert bin und mit meinem Kopf zu kämpfen hatte.
Statt dass du mit mir darüber sprichst, dass ich dich bei unserem letzten Treffen nicht küssen konnte und Du Dich erkundigst, was zur Zeit nicht stimmt, lächelst du alles weg und tust so, als wäre nichts. Klassische Verdrängungstaktik oder einfach Desinteresse. Beides tut weh.
Warum bist du eigentlich noch mit mir zusammen? Du musst doch gemerkt haben, dass das nicht mehr passt. Spätestens als ich Dich bat mich in den Arm zu nehmen, wenn es mir (mal wieder) schlecht geht und ich weinen muss.
- Auch wenn der Grund eine Diskussion zwischen uns sein sollte, bräuchte ich die Gewissheit das alles wieder gut wird und das Gefühl, dass Du mich auch mit meinen Fehlern liebst. -
Aber du sagst bloß, dass Du das einfach nicht immer könntest und es Dir aufgefallen sei, dass ich "ständig bei dir weinen würde und Du das bei mir nicht machen würdest und es deswegen nicht nachvollziehen könntest".
Dabei habe ich Dir so oft erklärt, dass das mit der Krankheit zu tun hat und Du mir auch alles erzählen könntest...
Aber darauf gingst Du nicht ein, schließlich könnte ich mit deiner Vergangenheit nicht umgehen.
Dass das auch ich bin: unsicher, schlecht gelaunt, zickig, traurig, moralisch deprimiert;
Bei Dir weinen kann, weil ich Dir bedingungslos vertraue. Aber selbst das hast Du nicht verstehen können.
Wäre das überhaupt eine Beziehung? Wenn ich mich immer verstellen müsste: Nur noch glücklich, fröhlich und lustig drauf sein dürfte?
Wie lange würde das gut gehen, bis sich mein Ich aus seinem Käfig befreien würde?
Willst du so eine verlogene Puppe, die gar nicht richtig lebt?
In Liebe,
Deine (noch) Freundin
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