Mittwoch, 15. März 2017

Blutendes Herz

Leider wurde dieser Ausdruck schon so oft missbraucht, dass er gar nicht mehr das aussagt, was ich damit sagen möchte.
Aber im Moment weiß ich es nicht besser zu beschreiben.

Philipp hat sich gestern nicht gemeldet. Er war nicht da und ich hatte ihm den Unterrichtsstoff als Nachricht geschickt. Nicht mehr, nicht weniger.
Heute in der Schule haben wir kein Wort miteinander gewechselt. Nicht eines und ich habe ihn wie Luft behandelt. Anders weiß ich mir nicht mehr zu helfen. Allerdings hat meine Freundin und Sitznachbarin ihn leider zu einer Aufgabe gefragt und mein einziger Gedanke: "Bitte nicht. Warum kannst du mit ihm sprechen. Warum erklärt er dir alles so ruhig und gelassen und ich bin ihm zu egal, um ein Danke zu schicken? Was habe ich falsch gemacht? Warum bin ich zu schlecht für ihn? Warum ist er fies zu mir?"
Leider mag ich ihn. Seine Stimme ist der Hammer und sein Kleidungsstil entspricht meinem Geschmack. Abgesehen von den Äußerlichkeiten hat er Humor und ist intelligent und manchmal auch irgendwie liebevoll. Mein Kopf weiß, dass ich ihm egal bin, dass ich ihm nicht hinterherrennen sollte, dass mein Freund toll ist. Aber dieses Ding in der Brust versteht es nicht und sehnt sich danach von ihm berührt zu werden.

Wahrscheinlich kann sich kein Mensch vorstellen, dass es mir wirklich schlecht geht mit dem Verknallt-Sein und wahrscheinlicher ist es so, dass mich andere als das Miststück sehen, dass einen Freund hat und trotzdem anderen Kerlen hinterherschaut.
Ich weiß, dass das furchtbar ist und ich verurteile mich dafür auch selbst die ganze Zeit. Aber ich kann nichts dafür. Wirklich nicht!

In meiner gesamten Beziehung mit meinem Freund, immerhin 2,5 Jahre, habe ich ihn niemals betrogen und erzähle ihm auch alles. Meinen besten Freund hat er kennen gelernt, dass ich ab und zu mit meinem Ex-Freund schreibe weiß er und ich bin immer ehrlich. Nur bei Philipp nicht.
Schließlich möchte ich ihn nicht verletzten. Das wäre nicht fair und nur weil ich gerade mit irgendwelchen Gefühle zu kämpfen habe, muss ich das schließlich nicht an ihm auslassen!

Die meiste Zeit verstehe ich mich selbst nicht und habe das Gefühl "böse" zu sein. Ein schlechter Mensch zu sein.
Dabei versuche ich doch bloß glücklich zu sein und nicht ständig diesen Gefühlen ausgesetzt zu sein.

Stell dir vor du träumst. Du gehst mit deinem Freund spazieren und dann sind da plötzlich andere Menschen, die dich anrempeln. Beim ersten und zweiten Mal wunderst du dich noch und schimpfst, als du kurz stolperst. Dein Freund lacht nur.
Ihr geht weiter und immer öfter strauchelst du und dein Freund hält dich bereits für verrückt. Erst da achtest du auf die Menschen. Es sind alles Menschen, die dich irgendwie verletzt haben. Aber dein Freund kann sie nicht sehen...
Und dann kommen mehrere auf einmal. Du hast Angst und blaue Flecken an den Knien. Dein Freund lässt dich los und geht langsam ein paar Schritte zurück. Er sieht erschrocken aus und löst sich vor deinen Augen auf, als du nach ihm greifst.
Die drei werden schärfer vor deinen Augen und kommen immer näher. Mit jedem Schritt wirken sie größer und das Einzige, was du fühlst, ist Angst. Du fühlst dich alleine. Den Gestalten ausgeliefert.
Du schreist.
Als sie nur noch einen Meter von dir entfernt sind, schreist du so laut, dass es dich wie eine graue stürmische Wolke umgibt.
Dann fällst du in Ohnmacht. Alleine und machtlos.

Das möchte ich nicht. Meinen Gefühlen ausgeliefert sein und das zu verlassen, was für mich doch eigentlich so wichtig ist...

Sonntag, 12. März 2017

2 Leben in einer Woche

Es erstaunt mich jeden Sonntagabend aufs Neue, wie ich nur durch die Autofahrt von meinem Freund nach Hause zu einer anderen Person werde.
Da mein Freund und ich eine Wochenendbeziehung führen, bin ich in der Regel am Wochenende bei ihm, weil er im Gegensatz zu mir bereits alleine wohnt.
Bei ihm angekommen entspanne ich mich meist und vergesse den Alltag um mich herum.
Zwar plane ich auch bei ihm Zeit zum lernen ein, aber im Großen und Ganzen schauen wir Filme oder Serien, Kochen zusammen oder sind unterwegs.
Bei ihm empfinde ich viel weniger Stress und meine psychischen Probleme verlagern sich in den Hintergrund, falls ich sie überhaupt spüre.

Allerdings kam gestern mein Vater kurz vorbei und bis dato hatte er die Wohnung noch nicht gesehen. Marco war währenddessen kurz einkaufen. Jedenfalls war der erste Satz nach der Begrüßung folgender: 'Du gibst dich wirklich mit wenig zufrieden...'
Das hat er nicht böse gemeint, weil er Marco mag, aber er hat recht. Dass keine Umzugskartons in der Gegend stehen ist auch irgendwie alles. Ordentlich oder gar gemütlich ist es jedenfalls bis heute nicht. Es stehen auch noch Schränke aus der Küche im Wohnzimmer rum.

Mir ist erst da bewusst geworden, dass ich mit den Monaten in der neuen Wohnung immer weiter abgestumpft bin. Früher hätte ich es niemals zugelassen in so einer Unordnung zu leben.
Natürlich muss man in einer Beziehung auch Kompromisse eingehen. Schließlich ist man zu zweit und beide sollen sich wohl fühlen.
Für mich ist Ordnung aber sehr wichtig, weil ich nur dann einen klaren und geordneten Kopf habe, den ich im Kampf gegen die Depression auch brauche...

Als ich dann auf dem Weg nach Hause war und die Musik aus dem Radio lief, kam der Alltag direkt zurück. Ich musste wieder an Philipp denken und den Traum...
Vorgestern hatte ich wieder einen Traum mit Philipp gehabt. Dieses Mal saßen wir im Zug zusammen und ich habe mich an ihn gekuschelt und er hat seinen Arm um mich gelegt...
Selbst jetzt noch, Tage später, bekomme ich noch ein Kribbeln im Bauch.
Immer öfter habe ich Werktags die Vorstellung mit Philipp zusammen zu sein. (Wobei er eine Freundin zu haben scheint. Ich hatte mal Gesprächsfetzen zwischen ihm und einem Mitschüler aufgeschnappt)
Immer öfter würde ich ihn am liebsten in den Arm nehmen und seine Hand halten.
Es ist furchtbar. In meinen Gedanken betrüge ich meinen Freund andauernd. :((
Ich ahne mittlerweile auch, woran das liegt. Es sind viele Dinge vorgefallen, bei denen ich mich ungeliebt gefühlt habe und das hat bereits bei meinem ersten Freund dazu geführt, dass meine Liebe zu ihm weggegangen war.
Obwohl ich den falschen Kerlen hinterherrenne, die mich niemals lieben würden (obwohl sie mich nicht gut behandeln, geht das Verliebtsein einfach nicht weg), reagiere ich bei verletztendem Verhalten meiner Freunde mir gegenüber mit Rückzug und Gefühlsverlust.

Warum bin ich eigentlich so komisch?!

Mittwoch, 8. März 2017

Wieder ein Traum

In den letzten Wochen habe ich weniger an Philipp gedacht. Er ist mir fast gleichgültig geworden und es machte mir auch immer weniger aus, dass Lena 'ihn gewonnen hatte'. Dass er sie lieber mochte als mich und dadurch keine Freundschaft zwischen uns entstehen könnte.
Ich habe mich wieder auf meinen Freund konzentriert und gemerkt, dass er ein Schatz in meinem Leben ist.
Schließlich versteht er mich und akzeptiert, wie ich bin.

Aber heute habe ich wieder von Philipp geträumt. Lag wohl daran, dass ich das erste Mal seit langer Zeit mit ihm auf dem Weg zum Auto gesprochen habe. Und das dank eines Klassenkameraden. :)
Philipp ging mit Lena vor uns beiden und ich hatte mich mit dem Klassenkameraden unterhalten. Bei einem Thema hatten wir allerdings eine kleine Meinungsverschiedenheit. Während Lena und der Klassenkamerad bei der Bushaltestelle stehen blieben, fragte er Philipp noch schnell nach seiner Meinung, die leider für ihn und komplett konträr zu meiner war. :D

Jedenfalls haben Philipp und ich dann weiter gequatscht. Zwar nur über das Thema, wie teuer es ist mit dem Auto zu fahren und dass das Wetter einfach unmöglich ist, aber es war schön. Ganz normal. Beim Sprechen hat er mich sogar angeguckt, obwohl wir nebeneinander gelaufen sind. Viel zu kurze Zeit für meinen Geschmack... :(

Jedenfalls hatte ich heute einen Traum: Ich war im Urlaub mit meiner Klasse. Wir waren in Griechenland im April und es war noch kühl und sogar leicht stürmisch. Dennoch wollten ein paar Leute zum Strand. Daraufhin habe ich mich umgezogen und sogar eine dicke Jacke mitgenommen. Philipp hat mich daraufhin mit einem Lachen angesprochen und gemeint, dass ich doch ganz schön dick angezogen sei.
Kurz darauf sind wir alle an der Promenade, aber Philipp und ich verlieren die anderen schnell ais den Augen und sind die meiste Zeit allein zusammen. Als wir beschließen die anderen zu suchen, nimmt er meine beiden Hände und zieht mich mit. Lächelnd halt er den ganzen Weg meine rechte Hand in seiner...

Dann bin ich leider aufgewacht und wusste erst einmal nicht, wo ich bin.
Erst danach habe ich gemerkt, dass es ein Traum war.

Normalerweise weiß ich in meinen Träumen immer, dass ich mit Marco zusammen bin. Er taucht also indirekt immer auf.
Aber dieses Mal war das anders. Marco existierte nicht und stattdessen habe ich jetzt Bauchkribbeln und Angst davor, dass Philipp durch die Tür in den Klassenraum tritt...