Und ich renne. Versuche immer schneller zu werden, obwohl meine Beine bereits vor Anstrengung zittern.
Mein Herz schlägt in der Brust und presst sich an meine Rippen.
Dieses Mal werde ich entkommen. Ich muss es schaffen.
Doch trotz meiner Entschlossenheit geben meine Beine kurz darauf einfach nach und ich liege im Dreck. Als ich den Schuss höre, kann ich mich gerade noch wegducken. Er trifft neben mir im Gras ein. Dabei stobt mir die Erde ins Gesicht. Panisch rappel ich mich auf, reibe meine Augen und blicke nach Rechts. Wie aus dem Nichts erscheint ein hohes Gerstenfeld. Ich laufe, schlage einen Haken und springe über einen kleinen Zaun. Mein Herz rast und der Atem geht stoßweise. Schaffe ich es Ihm zu entkommen?
In dem Moment streift mich ein Schuss am Arm, doch den Schmerz spüre ich kaum. Dieser Körper muss einfach rennen. Ich darf nicht langsamer werden!
Geduckt sprinte ich durchs Feld, während mir die Ähren ins Gesicht schlagen und weitere Schüsse abgefeuert werden. 'Noch ein Stück', bete ich innerlich, als ich das hohe Gebäude endlich sehe. Es zeichnet sich düster und dunkel vor dem Horizont ab, aber dennoch strahlt es Hoffnung aus.
Peng! Noch ein Schuss.
Und dieses Mal trifft er mich mit solcher Wucht ins Bein, dass ich einfach falle. Leicht benommen und voller Angst versuche ich mich aufzurichten. Doch in dem Matsch finde ich keinen Halt und auch mein Bein fühlt sich wie betäubt an. Tränen laufen mir über die Wange, denn ich weiß, was jetzt passieren wird.
Noch bevor ich die Tränen weggewischt habe, steht es bereits vor mir. Dieses Monster in schwarzer Kutte und mit blutroten Augen.
Es bleckt die Zähne als es sagt: "Na Hazel, hab ich dich mal wieder eingeholt?!"
Dabei grinst es vor Schadenfreude. Auch seine Worte triefen nur so vor Häme.
Aber anstatt eine Antwort abzuwarten zielt es mit dem Lauf des Revolvers auf meine Stirn und drückt ab.
Nachdem mir schwarz vor Augen wird wache ich auf. Schweißgebadet und keuchend. Es ist halb 5 Uhr morgen und erneut hat es mich geschlagen, erneut wurde ich von diesem Biest getötet.
Also werde ich auch dieses Mal wieder unter der Last der Depression den Tag überstehen müssen. Wieder habe Ich verloren. Wie lange wird es noch so gehen? Ich möchte diesem Monster doch einfach nur entkommen, dass mein Ich in die Ecke drängt.
Wann kann ich endlich ein normales Leben führen?
Weinend lasse ich mich zurück in die Kissen sinken und versuche noch einmal zu träumen.