Sonntag, 12. März 2017

2 Leben in einer Woche

Es erstaunt mich jeden Sonntagabend aufs Neue, wie ich nur durch die Autofahrt von meinem Freund nach Hause zu einer anderen Person werde.
Da mein Freund und ich eine Wochenendbeziehung führen, bin ich in der Regel am Wochenende bei ihm, weil er im Gegensatz zu mir bereits alleine wohnt.
Bei ihm angekommen entspanne ich mich meist und vergesse den Alltag um mich herum.
Zwar plane ich auch bei ihm Zeit zum lernen ein, aber im Großen und Ganzen schauen wir Filme oder Serien, Kochen zusammen oder sind unterwegs.
Bei ihm empfinde ich viel weniger Stress und meine psychischen Probleme verlagern sich in den Hintergrund, falls ich sie überhaupt spüre.

Allerdings kam gestern mein Vater kurz vorbei und bis dato hatte er die Wohnung noch nicht gesehen. Marco war währenddessen kurz einkaufen. Jedenfalls war der erste Satz nach der Begrüßung folgender: 'Du gibst dich wirklich mit wenig zufrieden...'
Das hat er nicht böse gemeint, weil er Marco mag, aber er hat recht. Dass keine Umzugskartons in der Gegend stehen ist auch irgendwie alles. Ordentlich oder gar gemütlich ist es jedenfalls bis heute nicht. Es stehen auch noch Schränke aus der Küche im Wohnzimmer rum.

Mir ist erst da bewusst geworden, dass ich mit den Monaten in der neuen Wohnung immer weiter abgestumpft bin. Früher hätte ich es niemals zugelassen in so einer Unordnung zu leben.
Natürlich muss man in einer Beziehung auch Kompromisse eingehen. Schließlich ist man zu zweit und beide sollen sich wohl fühlen.
Für mich ist Ordnung aber sehr wichtig, weil ich nur dann einen klaren und geordneten Kopf habe, den ich im Kampf gegen die Depression auch brauche...

Als ich dann auf dem Weg nach Hause war und die Musik aus dem Radio lief, kam der Alltag direkt zurück. Ich musste wieder an Philipp denken und den Traum...
Vorgestern hatte ich wieder einen Traum mit Philipp gehabt. Dieses Mal saßen wir im Zug zusammen und ich habe mich an ihn gekuschelt und er hat seinen Arm um mich gelegt...
Selbst jetzt noch, Tage später, bekomme ich noch ein Kribbeln im Bauch.
Immer öfter habe ich Werktags die Vorstellung mit Philipp zusammen zu sein. (Wobei er eine Freundin zu haben scheint. Ich hatte mal Gesprächsfetzen zwischen ihm und einem Mitschüler aufgeschnappt)
Immer öfter würde ich ihn am liebsten in den Arm nehmen und seine Hand halten.
Es ist furchtbar. In meinen Gedanken betrüge ich meinen Freund andauernd. :((
Ich ahne mittlerweile auch, woran das liegt. Es sind viele Dinge vorgefallen, bei denen ich mich ungeliebt gefühlt habe und das hat bereits bei meinem ersten Freund dazu geführt, dass meine Liebe zu ihm weggegangen war.
Obwohl ich den falschen Kerlen hinterherrenne, die mich niemals lieben würden (obwohl sie mich nicht gut behandeln, geht das Verliebtsein einfach nicht weg), reagiere ich bei verletztendem Verhalten meiner Freunde mir gegenüber mit Rückzug und Gefühlsverlust.

Warum bin ich eigentlich so komisch?!

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